Würdevoll altern in den eigenen vier Wänden
Der Wunsch, den Lebensabend im gewohnten Umfeld zu verbringen, ist in der Schweiz tief verwurzelt. Wenn die Bewältigung des Alltags aufgrund von Alter, Krankheit oder Demenz allein nicht mehr möglich ist, stehen Familien oft vor einer schwierigen Entscheidung: Pflegeheim oder häusliche Betreuung? Die 24 Stunden Betreuung zu Hause hat sich hier als eine der beliebtesten Lösungen etabliert, da sie Sicherheit mit höchster Lebensqualität verbindet.
Was ist eine 24 Stunden Betreuung?
Unter einer 24 Stunden Betreuung versteht man die Präsenz einer Betreuungsperson, die im Haushalt der pflegebedürftigen Person lebt. Entgegen der Bezeichnung bedeutet dies jedoch nicht, dass die Person 24 Stunden am Stück arbeitet. In der Schweiz unterliegt dieses Modell strengen arbeitsrechtlichen Vorschriften (Normalarbeitsvertrag für Hauswirtschaft, NAV).
Die Betreuungskraft unterstützt im Alltag, bietet Gesellschaft und sorgt für eine strukturierte Tagesroutine. Die medizinische Pflege hingegen wird in der Regel weiterhin durch eine externe Spitex-Organisation sichergestellt, da die 24-Stunden-Betreuer meist keine medizinischen Fachkräfte im Sinne des Schweizer KVG sind.
Wer führt die 24 Stunden Betreuung zu Hause aus?
In der Schweiz gibt es drei gängige Wege, eine solche Betreuung zu organisieren:
Entsendemodell: Eine spezialisierte Agentur entsendet Personal aus dem Ausland (oft Osteuropa). Die Agentur bleibt Arbeitgeber, was den administrativen Aufwand für die Familie minimiert.
Personalverleih: Die Agentur verfügt über eine kantonale Bewilligung und leiht das Personal an den Haushalt aus. Dies bietet die höchste rechtliche Sicherheit.
Anstellung im Privathaushalt: Die Familie wird selbst zum Arbeitgeber. Dies bedeutet volle Kontrolle, aber auch die gesamte Verantwortung für Sozialversicherungen, Quellensteuern und die Einhaltung der Arbeitszeiten.
Die meisten Betreuungskräfte stammen aus Ländern wie Polen, der Slowakei oder Rumänien und verfügen über Erfahrung in der Seniorenbetreuung und oft über gute Deutschkenntnisse.
Was sind die Kernleistungen?
Die Aufgaben sind vielfältig und werden individuell auf die Bedürfnisse des Seniors abgestimmt:
Hauswirtschaft: Kochen, Einkaufen, Wäschepflege und leichte Reinigungsarbeiten.
Betreuung & Gesellschaft: Gemeinsames Essen, Spaziergänge, Vorlesen oder Begleitung zu Terminen.
Grundpflege: Unterstützung beim Aufstehen, Ankleiden oder bei der persönlichen Hygiene (in Absprache mit der Spitex).
Sicherheit: Die blosse Präsenz einer Person, die im Notfall Hilfe rufen kann, gibt sowohl den Senioren als auch den Angehörigen enorme Sicherheit.
Die Vorteile der 24 Stunden Betreuung
- Erhalt der gewohnten Umgebung
Der Umzug in ein Heim ist oft mit einem Verlust an Autonomie und Identität verbunden. Zu Hause bleiben zu können, umgeben von eigenen Möbeln und Erinnerungen, ist für das psychische Wohlbefinden unbezahlbar.
- 1-zu-1-Betreuung statt Zeitdruck
In Pflegeheimen ist das Personal oft überlastet. Bei der 24 Stunden Betreuung zu Hause geniesst der Senior die ungeteilte Aufmerksamkeit einer festen Bezugsperson. Es entsteht eine echte Beziehung, was besonders bei Demenzerkrankungen stabilisierend wirkt.
- Entlastung der Angehörigen
Viele Angehörige reiben sich zwischen Beruf, eigener Familie und der Pflege der Eltern auf. Die Gewissheit, dass jemand vor Ort ist, nimmt den enormen psychischen Druck und ermöglicht wieder eine „Quality Time“ als Sohn oder Tochter statt als Pflegekraft.
- Kosteneffizienz
Im Vergleich zu einem Platz in einem privaten Pflegeheim kann die 24 Stunden Betreuung (je nach Modell und Kantonsbeiträgen wie Hilflosenentschädigung oder Ergänzungsleistungen) eine finanziell attraktive Alternative sein – bei gleichzeitig höherer Individualität.
Die 24 Stunden Betreuung in der Schweiz ist weit mehr als eine reine Notlösung. Sie ist ein modernes Lebensmodell, das Selbstbestimmung bis ins hohe Alter ermöglicht. Werden die rechtlichen Rahmenbedingungen beachtet, bietet sie eine menschliche und würdevolle Alternative zum Heimaufenthalt.


