Beschneidung: Praktische & religiöse Gründe

Veröffentlicht von am 26. Nov 2020   |   Kategorie Kultur 26

Beschneidungen sind etwas, bei dem sich die Geister scheiden. Viele Mythen, Überlegungen, Ängste und Hoffnungen ranken um das Thema Beschneidung. Doch was passiert dabei eigentlich? Warum macht man das? Wer macht das? Was sind Vor- und Nachteile der Beschneidung? Wir klären auf.

Die Vorhaut des männlichen Penis bedeckt im schlaffen Zustand bei den allermeisten von uns Männern die Eichel, also die Spitze des Glieds. Diese Vorhaut besteht aus Innen- und Aussenblatt, die nicht miteinander verwachsen, sondern gegeneinander verschiebbar sind. Das sorgt dafür, dass bei einer Erektion in den allermeisten Fällen die Eichel freigelegt wird. An der Unterseite des Penis finden Sie das Vorhautbändchen, das Frenulum und die Penisnaht. Genug der Anatomie, wir kommen zum Wesentlichen.

Die Vorhaut bedeckt also im schlaffen Zustand die Eichel und sorgt insbesondere im Kleinkindalter, wo die Vorhaut noch mit der Eichel verklebt ist, dafür, dass Schmutz oder Krankheitserreger nicht in die Harnröhre eindringen können. Im fortgeschrittenen Alter löst sich die Vorhaut. Die Funktion von Schutz vor Verletzungen und schädlichen Umwelteinflüssen bleibt aufrecht. Sie hält die Eichel zudem zart und vermeidet, dass die sehr leicht erregbare Eichel ständigen Reibungen ausgesetzt ist. Gerade das aber ist ein Kriterium, das viele dazu animiert, eine Beschneidung durchzuführen. In Zeiten wie diesen, wo Sex und Spass gross geschrieben werden, überlegen viele Männer, die Vorhaut entfernen zu lassen, um ein gesteigertes Lustempfinden zu haben, weil die Eichel noch stärker den Reibungen beim Geschlechtsverkehr oder beim Oralverkehr ausgesetzt ist. Wie sinnvoll das ist, sei dahingestellt. Der Schutz, den die Vorhaut darstellt, fällt dann weg.

Es gibt aber durchaus gute Gründe für eine Beschneidung. Und zwar dann, wenn die Vorhaut zu eng ist. Diese anatomische Anomalie kommt gelegentlich vor. Der Penis wächst, die Vorhaut wächst nicht ausreichend mit. Wird die Vorhaut bei sexuellen Aktivitäten beansprucht, kann sie, wenn sie zu eng ist, zu Schmerzen führen oder gar einreissen. Zudem sei erwähnt, dass man die Eichel und die Vorhaut regelmässig waschen sollte, um sich ständig bildendes Smegma zu entfernen und Pilzerkrankungen vorzubeugen. Ist die Vorhaut im fortgeschrittenen Alter noch mit der Eichel verklebt, wie es bei der Geburt in 96% der Fälle der Fall ist, so spricht man von einer Phimose. Die Eichel wird dann auch bei einer Erektion nicht freigelegt. Dies erfordert ebenfalls eine Behandlung, häufig eine Zirkumzision / Beschneidung.

In manchen Religions- und Kulturkreisen gilt die Beschneidung auch als Ritual, das in der Kindheit vor dem Eintritt ins die Pubertät durchgeführt wird. Das hat mit dem medizinischen Aspekt nichts zu tun.